Was bedeutet die Stärke Chinas für Europa?

...und NZZ-Korrespondent und Moderator Ulrich Schmid (2.v.l.) in Zürich über Europa und China. Nach den jüngsten Atomtests in Nordkorea ist die Rolle Chinas in der Welt noch stärker als bisher in den Fokus gerückt. Der Gastredner der diesjährigen Ladanyi-Lecture, der ehemalige Bundespräsident der Republik Österreich, kennt sich seit langem gut aus mit der Grossmacht China. Er besuchte das Land zum ersten Mal 1974, am Ende der Kulturrevolution. Acht Besuche als Wissenschaftsminister, dann als Parlamentspräsident und schliesslich als Bundespräsident folgten. Seine jüngste Chinareise in der Funktion als Vorsitzender der österreichisch-chinesischen Gesellschaft fiel in die zeit kurz vor dem Parteitag der KP Chinas, der am 19. Oktober beginnt.

China hängt die USA ab

Fischer legte in seinem Vortrag die Erfolgsgeschichte Chinas seit der Kulturrevolution dar und erwähnte dabei auch dessen konsequente Hnadelspolitik in Afrika und vor allem das Projekt der neuen Seidenstrasse, ein gigantisches Entwicklungsprogramm zur Stärkung der Wirtschaftskraft des Landes: Die Staaten entlang Chinas alter Handlesroute sollen zu Lande und zu See enger an das Land der Mitte gebunden werden. Welche Auswirkungen das auf Europa schlussendlich haben werde, hänge vor allem von der Einigkeit Europas ab, war man sich auf dem Podium nach dem Vortrag Fischers einig.

Der österreichische Politiker hob aber auch die Herausforderungen hervor, denen sich China stellen müsse. „Es gibt da viele Parallelen zu europäischen Ländern“: Umweltschutz und der Umgang mit natürlichen Ressourcen, soziale Ungleichheiten, Überalterung und die damit verbundenen gesellschafltichen Pobleme seien dort wie hier drängende Herausforderungen für die Politik. Die Frage nach Korruption, nach der Missachtung der Menschenrechte und der Einschränkung von Bürgerfreiheiten werde in China natürlich anders beantwortet als im Westen, betonte Fischer. Er gab zu bedenken, dass China in seiner Geschichte keine Aufklärung erlebt habe und auch die Fokussierung westlicher Demokratien auf das Individuum nicht teile. 

Menschenrechte und Bürgerfreiheiten

Bei der anschliessenden Diskussion kam Moderator Ulrich Schmid immer wieder auf die Thematik der Menscherechte und die biegsame Haltung westlicher Politiker im Interesse ihrer jeweiligen nationalen Wirtschaft zu sprechen. Auch Konzerne wie Google sähen beim Thema Menschenrechte weg, um ihr Geschäft zu sichern, kritisierte Schmid. Natürlich heilige der Zweck nicht die Mittel, doch in der Realpolitik müsse man häufig Kompromisse machen, antworteten Ficher wie auch Alt-Bundesrat Couchepin.

Roger de Weck beleuchtete in der Runde die neue Rolle Chinas in der internationalen Politik. Die derzeitige Schwäche bzw. Zerstrittenheit internationaler Institutionen wie NATO, UNO und WTO (Welthandelsorganisation) einerseits und die „Amercia first“- Linie Donald Trumps sowie seine Geringschätzung dieser Instituionen forcierten den Aufstieg Chinas, so Roger de Weck. Im Land selbst fehlt es ebenfalls an starken Institutionen, was neben dem wirtschafltichen Erfolg (durch autoritäres, zentralistisches Vorgehen der Kommunistischen Partei Anm.d.Red.) für de Weck eben auch ein Moment der „Fragilität“ dieses riesigen Reiches darstelle. Das Land profitiere von den Fehlern Trumps und präsentiere sich heute als „Champion der Multilateralität“, sagte Fischer.

Konsens bestand unter allen Podiumsteilnehmern, dass China trotz kapitalistischer Vorgehensweisen keine Demokratie nach westlichen Vorstellungen werde. Pascal Couchepin betonte auch, dass sich das Land nicht nur wirtschaftlich öffne, sondern sich in internationalen Gremien durchaus positiv als Dialogpartner einbringe. 

(Fotos von oben nach unten: Alt-Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Österreich, Professor Stephan Rohtlin SJ, Geschäftsführer der CSR Rothlin GmbH und Leiter des Macau-Ricci-Instituts in China; Podiumsdiskussion in einem Hörsaal der Universität Zürich am 19.09.2017)

Die Ladanyi-Lecture ist eine Veranstaltung des Ladanyi-Vereins Zürich auf Initiative von Pater Stephan Rothlin SJ.

Schirmherrschaft:

Dr. Felix Gmür, Bischof von Basel

Pascal Couchepin, Alt-Bundesrat Schweiz

Dr. Irene Giner-Reichl, Österreichische Botschafterin in China

Dr. Erwin Schurtenberger, ehem. Schweizerischer Botschafter in China

Der Landanyi-Verein (www.ladanyi.ch) fördert wirtschaftsethische Aktivitäten mit Fokus auf China. Sein Namensspender ist der ungarische Jesuit, Lázlὁ Ladányi (1914 – 1990), Redaktor der China News Analysis, über die Zeit der Gründung der chinesischen Volksrepublik 1949 bis 1982 und Buchautor.

Kontakt:

Ladanyi-Verein: c/o Ruth Wiederkehr, info (at) ladanyi (dot) ch

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