Pater Nawras aus Damaskus auf Info-Tour in der Schweiz

der Jesuiten um sie. Türken und Kurden, Russen und Amerikaner, syrische Rebellengruppen und die Armee des syrischen Präsidenten Assads – Freund und Feind sind nicht immer leicht auszumachen in Syrien. Pater Sammour Nawras SJ, Regionaldirektor des Jesuiten Flüchtlingsdienst (JRS) für den Nahen Osten und Nordafrika (MENA), Prix Caritas-Träger 2014, hat kürzlich in Zürich vom „Chaos“ in seiner Heimat gesprochen und kritisiert, die Weltöffentlichkeit schaue einfach weg angesichts des Leids.

Wer von Europa aus das Geschehen über Medien verfolgt, droht, sich vielleicht mit der Zeit an die Bilder von Bombardements, von Männern, die blutende Kinder durch Trümmerlandschaften tragen und von flüchtenden Familien mit wenige Gepäck zu gewöhnen. Augenzeugenberichte, die Einblick geben in kleine Ausschnitte der Wirklichkeit, rütteln jedoch immer wieder wach:

So berichtet der JRS der MENA-Region fortlaufend aus Damaskus, wo viele ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen mit den Jesuiten Anlaufstellen für die Zivilbevölkerung betreiben. Einen Schwerpunkt der Arbeit bilden Kinderprogramme und Projekte zur psychosozialen Begleitung der vom Krieg traumatisierten Menschen. Nach Angaben des JRS leben die Menschen in Terror und befürchten ständig neue Bombardements. Das normale Arbeits-, Geschäfts- und Familienleben sei seit Mitte Januar immer wieder zum Erliegen gekommen. Fest steht, dass hunderte Tote und Tausende Verletzte zu beklagen sind. Vor allem die Kinder leiden darunter. Heute Siebenjährige im Land sind mit dem Krieg aufgewachsen, und vielen haben noch nie eine Schule besucht.

Bombenangriffe: Geschockte Mädchen und Jungen brauchen viel Zuwendung

Die Jesuiten mussten die JRS-Zentren Jaramana, Dwelaa and Bab-Touma in Damaskus im Verlauf der vergangenen zwei Monaten aus Sicherheitsgründen mehrfach schliessen, konnten sie aber immer wieder öffnen. Die Zentren sind wichtig für die Kinder, um ihnen einen geschützten Raum zu bieten, in dem der Stress und die Angst soweit wie möglich aussen vor bleiben und sie ihre schrecklichen Erlebnisse erzählen können, wenn sie es können und möchten. Die JRS-Ehrenamtlichen wollen helfen, das Leid zu mildern; verhindern können sie es nicht. Die Stimmung, so berichten sie, sei natürlich auch in den Zentren gedrückt und die Atmosphäre gespannt.

Doch die Nachfrage ist ungebrochen. Bei Projektleiterin Caroline Carwashan standen am 5. März schon morgens um 7.30 Uhr 45 Mädchen und Jungen vor der Tür des Zentrums Jaramana. Und das an einem Tag, als die Situation in der Stadt sehr gefährlich war. Im Zentrum warteten schon mehre Betreuerinnen und Betreuer im Team von John Bsesah auf die Kinder. „Auch wenn Schulen schliessen, kommen Kinder zu uns, die eine sicheren Platz suchen“, sagt die Projektleiterin.

Und Teamleiter Mossa Haddad notierte am 8. März: “Letzte Woche hat eine Mörsergranate eine Schule in Jaramana zerstört. Einige der Kinder, die wir betreuen, haben viel Blut gesehen und auch, wie Freunde starben. Unser Sozialarbeiter Nawar Ahmad hat sich um zwei völlig geschockte Kinder gekümmert. Ein Junge, Duraid, konnte zwei Tage überhaupt nichts essen und war vollkommen apathisch.”

Foto oben: Besuch in Ingenbohl beim Orden der „Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz“ Anfang März. V.l.n.r.: Generalrätin Anna Affolter, Pater Sammour Nawras SJ, Schwester Friediana Engetschwiler und Missionsprokurator Toni Kurmann SJ.

Foto unten: Kinderbetreuung in Syrien, hier in einem Zentrum der Jesuiten Homs 

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