IGER – Radioschulen in Guatemala

Die Analphabetenrate in Guatemala ist mit 30% erschreckend hoch. Wegen des langjährigen Bürgerkrieges, der Armut und den großen Entfernungen zur nächsten Schule haben viele Menschen keinen Zugang zu Schulbildung. Die Idee von IGER: Wenn Menschen der Weg in die Schule versperrt ist, muss der Lehrer ins Haus kommen – nämlich per Radio.

Radioschulen für die „Marginados“

Texte, Übungsaufgaben und Radiosendungen der Schulen werden in der IGER-Zentrale in der Hauptstadt Guatemala City verfasst und produziert.

Es gibt viele Gründe, weshalb Erwachsene in Guatemala nie lesen und schreiben gelernt haben. 1979 gründete der deutsche Jesuit Franz Graf von Tattenbach SJ die Radioschulen von IGER – „Instituto Guatemalteco de Educación Radiofónica“ – in Guatemala. Er nahm damals zwei Kulturen in Guatemala wahr: Die der weitgehend von Europa und Nordamerika bestimmten Oberschicht und die der „Marginados“, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, in der Mehrheit indianischer Abstammung, ohne Schulbildung, ohne Stimme, ohne Rechte, ohne Einkommen. Für diese zweite Gruppe arbeitet IGER.

Bildung als Chance

30 von 100 Männern und Frauen haben in Guatemala keine Schulbildung oder die Schule nicht zu Ende bringen können, weil sie schon früh als Arbeitskraft zum Lebensunterhalt der Familie beitragen mussten. IGER bietet diesen Menschen Ausbildungs­programme, die auf drei Säulen stehen: Lehrmaterial, Radio­sendungen und Lerngruppen. IGER entwirft, druckt und verteilt die Lehrbücher. Täglich gibt es von Montag bis Freitag zu bestimmten Uhrzeiten die Radiosendungen „El Maestro en Casa“ (Der Lehrer zu Hause), in denen der Stoff lebhaft erklärt wird. Am Wochenende bearbeiten die Schüler in selbstorganisierten Gruppen den Stoff gemeinsam, meist steht ihnen ein ehemaliger Schüler oder eine ehemalige Schülerin als Tutor zur Seite. Das Projekt basiert stark auf diesem ehrenamtlichen Engagement.

Vom Alphabet bis zum Diplom

Pro Jahr sind mittlerweile bis zu 40.000 Schülerinnen und Schüler in den Klassen von IGER eingeschrieben. Die Abbrecherquote ist generell sehr gering. Anfangs konnten die Schüler in den Radio­schulen die Grundschule und die Mittelschule nachholen. Heute können sie auch das Abitur machen und sogar Hochschul­diplome erlangen. Seit 1992 leitet Pater José María Andrés Vitoria SJ die Radioschulen. Er berichtet, dass die Zahlen in den Grundschul­kursen rückgängig seien. Dies ist ein gutes Zeichen, da es zeigt, dass der Bildungsstand im Land steigt und die staatlichen Schulen den Bedarf besser abdecken. Die Radioschulen bieten deshalb mittlerweile neben den klassischen Schulkursen auch Auf­klärungsprogramme zu Gesundheitspflege, Umgang mit Behörden, Buchhaltung für Kaffeebauern und vielem anderen an.

Lesen Sie hier Geschichten aus Guatemala: Radioschüler erzählen

Projekt Radioschulen IGER

Land:
Guatemala

Partner:
P. José María Andrés Vitoria SJ

Zielgruppe:
Jugendliche und Erwachsene, die keine Schulbildung haben oder diese nicht beenden konnten.

Kontext:
Die Radioschulen von IGER bringen den Unterricht zu den Menschen nach Hause.

So können Sie helfen:

  • 5 Franken kostet ein Schulbuch der Radioschulen
  • 40 Franken im Jahr finanzieren das Stipendium für eine Person in den unteren Klassenstufen
  • 70 Franken im Jahr finanzieren das Stipendium für eine Person der oberen Klassenstufen