Watershed bringt das Grün der Hügel zurück

In Indien wird die Watershed-Methode seit einigen Jahrzehnten erfolgreich angewandt. Erodierte und versteppte Landstriche werden wieder fruchtbar gemacht und begrünt. Eine Landpfarrei in Haiti überträgt die Methode in einem Pilotprojekt in ihre Heimat und ist selbst überrascht von den Ergebnissen.

Wenn die Lebensgrundlage weggespült wird

Die Hügel in der Gegend von Pilate sind nicht mehr wiederzuerkennen. Noch vor einigen Jahren war hier alles grün, das Land war fruchtbar. Doch durch die Abholzung der Wälder und die Zerstörungen der Natur durch die Tropenstürme 2004 und 2008 ist die Bodenerosion unaufhaltsam fortgeschritten. Trockenheit in Kombination mit starken temporären Regenfällen hat den fruchtbaren Boden weggespült. Die armen Bauern der Gegend leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Ihre Lebensgrundlage ging wortwörtlich den Bach runter.

Not macht erfinderisch – das Pilotprojekt startet

Pilate liegt in den Bergen im Norden Haitis, über zweieinhalb Stunden Fussweg von der nächsten Schule oder dem nächsten Krankenhaus entfernt. Von dem schweren Erdbeben im Jahr 2010 wurde Pilate verschont; trotz der Abgeschiedenheit suchten viele Familien aus Port-au-Prince in den Bergen Zuflucht. Die Gemeinde Sainte Rose de Lima hat die völlig verarmten Flüchtlingsfamilien und Waisenkinder aufgenommen und ihnen dabei geholfen, sich in das Gemeindeleben zu integrieren. Die schon vorher schwierige Ernährungssituation hat sich durch die neuen Gemeinde­mitglieder noch verschärft. Um die Lebensbedingungen der Menschen in seiner Gemeinde zu verbessern, startete Pater Snell, der Pfarrer der Gemeinde, schon 2009 ein kleines Landwirtschaftsprojekt und eine kleine Viehzucht. Durch Austausch und gegenseitige Besuche mit dem Jesuitenpater Robert D’Costa aus Indien begann Pater Snell in seiner Gemeinde die Watershed-Methode einzuführen.

Watershed heisst, den Regen zu fangen und zu nutzen

In mühsamer Arbeit balancieren die Gemeindemitglieder auf dem Kopf Steine die Hügel hinauf. Aus diesen Steinen entstehen Dämme, die das Regenwasser aufhalten werden. Anschliessend verteilen sich alle, mit Spaten und Hacken ausgerüstet, auf den Hängen. Was hier zwischen halb vertrockneten Pflanzen und rötlicher Erde wie ein buntes Durcheinander aussieht, ist in Wirklichkeit genau geplant. Alle packen mit an, wenn den Hang entlang tiefe Furchen in den Boden gegraben werden, die sich bis ins Tal hinab ziehen. Kommt künftig der Regen, so wird er aufgehalten und das Wasser kann in das Erdreich sickern. Die Gräben werden zugeschüttet und mit jungen Bäumen bepflanzt, deren Wurzeln den neuen und fruchtbaren Boden festhalten. So werden die Hügel nach und nach wieder bewaldet, der Grundwasserspiegel steigt, und neue Felder können angelegt und bewirtschaftet werden.

Kurzfilm über das Projekt Watershed in Pilate (6 min.)

Bei der Watershed-Methode gilt: Umweltschutz und Lebensqualität gehen Hand in Hand.
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Projekt Watershed Pilate

Land:
Haiti

Partner:
Pater Snell

Zielgruppe:
Mitglieder der Gemeinde Sainte Rose de Lima und Anwohner von Pilate.

Kontext:
Die Lebensmittelgrundlage für die Bauern in Pilate wiederherstellen.


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